TING-SCHULE Freie Demokratische Schule Berlin e.V.
“In den allermeisten Fällen wird es […] genügen, darauf zu vertrauen, dass die jungen Gehirne selbst am besten wissen, was sie in verschiedenen Entwicklungsphasen benötigen und dank ihrer eigenen Bewertungssysteme kritisch beurteilen und auswählen können. Kinder sind in aller Regel genügend neugierig und wissbegierig, um sich das zu holen, was sie brauchen.”1 Menschen sind von Natur aus neugierig. Diese Neugierde und der Wunsch, sich in die Gesellschaft einbringen zu können, führen zu fortwährendem Lernen, mit dem Ziel, die eigene Lebenssituation zufriedenstellend zu bewältigen. Eine Grundüberzeugung von demokratischen Schulen ist, dass Schüler in der Lage sind, selber über ihr Lernen zu entscheiden. Die fast hundertjährigen Erfahrungen von anderen demokratischen Schulen zeigen, dass Schüler mit einem fundierten Wissen, einer großen Flexibilität und hochmotiviert ihre Schullaufbahn abschließen und ihr weiteres Leben meistern. Ihr Wissensstand steht dem von Regelschulabsolventen in nichts nach. Eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Potenzial und Kompetenzen der Schüler spielen die unterschiedlichen Lernformen, die an demokratischen Schulen gleichwertig nebeneinander stehen. Unterricht ist an den meisten Schulen die dominierende Form, in der sich Wissensaneignung und Vermittlung vollzieht. Auch an der TING-Schule findet Unterricht in so genannten Lernvereinbarungen statt. Lernvereinbarungen kommen auf Initiative der Schüler zu Stande. Um die Durchführung einer Lernvereinbarung zu organisieren, suchen einzelne oder mehrere Schüler einen Mitarbeiter auf und legen Inhalt, Zeit und Ort der Lernvereinbarung gemeinsam mit ihm fest. Die Gruppe einigt sich auf Regeln (wie zum Beispiel Pünktlichkeit und Hausaufgaben), die eingehalten werden müssen, damit die Lernvereinbarung stattfindet. In Lernvereinbarungen können komplexe Themenbereiche bearbeitet und Fertigkeiten, wie zum Beispiel das Sprechen einer Fremdsprache, kontinuierlich erworben werden. Der Mitarbeiter steht mit seinem Wissen und seinen Fertigkeiten zur Verfügung und bespricht mit der Lerngruppe das weitere methodische Vorgehen. Im Unterricht können grundsätzlich alle Sozialformen von Freiarbeit bis Frontalunterricht zum Einsatz kommen, sowie die Verwendung unterschiedlichster Materialien wie Lernsoftware oder Arbeitsblätter mit der Möglichkeit zur Selbstkorrektur, um den Schülern selbstgesteuerte Lernprozesse zu ermöglichen. Informelles Lernen nimmt im Schulalltag der TING-Schule eine wichtige Rolle ein. Es umfasst verschiedene Dimensionen: Zum einen kann selbstständiges Beschäftigen mit einer Thematik, das ohne Zeit- und Leistungsdruck außerhalb von Lehrgängen stattfindet, zu einem sehr intensiven und nachhaltigen Lernerlebnis werden, da es sich aus intrinsischer Motivation speist. Der Lernende vertieft sich, vergisst die Welt um sich herum und vollbringt Höchstleistungen. Eine andere Dimension von informellem Lernen umfasst die oberflächliche Annäherung an ein Thema oder eine Umgebung. Dieses neugierige Sondieren der Umwelt ist flüchtig und spontan: Man stößt auf etwas und möchte in diesem Augenblick mehr darüber erfahren. Auf diese Weise sammeln die Lernenden stetig eine Vielzahl von Informationen, die Teil eines großen Wissensreservoirs werden. Zwischen diesen beiden Polen von neugierigem Sondieren und vertieftem Forschen innerhalb des informellen Lernens sind viele weitere Abstufungen denkbar, die in der Praxis in Erscheinung treten werden. Demokratische Schulen lassen genug Raum, sich an der Überwindung eines Hindernisses zu versuchen, ohne Angst vor dem Scheitern haben zu müssen. So wird intrinsisch motiviertes, angstfreies und selbstbestimmtes Lernen zum Erfolgsrezept und liefert die Grundlage für die vollständige Entfaltung des Potenzials der Schüler. Nicht zuletzt erfolgt die Aneignung von Kenntnissen stets über Emotionen. Werden diese als negativ empfunden, so wird die Abrufbarkeit der Kenntnisse stark herabgesetzt, ganz zu schweigen von der Motivation zu einem kreativen Umgang mit ihnen. Nachhaltig wirksames Lernen muss also mit positiv besetzten Emotionen gekoppelt werden, was vor allem durch eine entspannte Lernatmosphäre und selbstbestimmtes Lernen erreicht werden kann: “Wenn wir aber wollen, dass unsere Kinder und Jugendlichen in der Schule für das Leben lernen, dann muss eines stimmen: die emotionale Atmosphäre beim Lernen. Wir wissen damit nicht nur, dass Lernen bei guter Laune am besten funktioniert, sondern sogar, warum Lernen nur bei guter Laune erfolgen sollte. Nur dann nämlich kann das Gelernte später zum kreativen Problemlösen überhaupt verwendet werden!” 2 1 Prof. Dr. Wolf Singer, Gehirnforscher, in dem Vortrag „Was kann ein Mensch wann lernen?“ in der Deutschen Bibliothek Frankfurt/Main am 12. Juni 2001. (http://www.mpih-frankfurt.mpg.de/global/Np/Pubs/mckinsey.pdf, S.11.) 2 Prof. Dr. Manfred Spitzer, Gehirnforscher, in dem Artikel „Medizin für die Pädagogik“ in DIE ZEIT, Nr. 39, 18.09.2003. (http://www.zeit.de/2003/39/Neurodidaktik)

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