TING-SCHULE Freie Demokratische Schule Berlin e.V.

Kinderrechte

Bei der Recherche zum Thema „Kinderrechte“ findet man im Internet ein reichhaltiges Angebot an Informationen.  Verschiedene Initiativen setzen sich ein für die „Rechte des Kindes“, informieren und rufen zu Aktionen auf. Der Deutsche  Bundesjugendring fordert die 35-Stunden-Woche für Kinder1, die UN-Kinderrechtskonvention wird vielfach zitiert und  erklärt, das Aktionsbündnis „Kinderrechte“ fordert die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz. Der Vorschlag des Aktionsbündnisses lautet wie folgt: (1) Jedes Kind hat das Recht auf Förderung seiner körperlichen und geistigen Fähigkeiten zur bestmöglichen  Entfaltung seiner Persönlichkeit.  (2) Die staatliche Gemeinschaft achtet, schützt und fördert die Rechte des Kindes. Sie unterstützt die Eltern bei  ihrem Erziehungsauftrag.  (3) Jedes Kind hat das Recht auf Beteiligung in Angelegenheiten, die es betreffen. Seine Meinung ist entsprechend  seinem Alter und seiner Entwicklung in angemessener Weise zu berücksichtigen. (4) Dem Kindeswohl kommt bei allem staatlichen Handeln, das die Rechte und Interessen von Kindern berührt,  vorrangige Bedeutung zu.2 Die Debatte um die Rechte der Kinder ist nicht neu. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts stellte der Verein „Freie Erziehung  der Kinder“ viel weitgehendere Forderungen und präsentierte diese 1918 auf einer Konferenz in Moskau:3 Jedes Kind hat das Recht, sich seine nächsten Erzieher zu wählen und sich von seinen Eltern loszusagen und  wegzugehen, wenn sie sich als schlechte Erzieher erweisen. Dieses Recht, die Eltern zu verlassen, hat das Kind in  jedem Lebensalter, wobei der Staat und die Gesellschaft dafür zu sorgen haben, dass keine Veränderungen in dieser Hinsicht eine Verschlechterung in der materiellen Lage des Kindes nach sich ziehen. Kein Kind kann gewaltsam zum Besuch einer Erziehungs- oder Bildungsanstalt gezwungen werden. Die Erziehung und  Bildung auf allen ihren Stufen sind eine freie Angelegenheit des Kindes. Jedes Kind hat das Recht, sich von der  Erziehung und Bildung abzuwenden, die seiner Individualität entgegengesetzt ist.   Das Kind ist in all seinen Lebensaltern, seinen Freiheiten und seinen Rechten dem erwachsenen und volljährigen  Menschen gleichgestellt. Wenn diese oder jene Rechte von ihm nicht verwirklicht werden, so muss dieses nur durch das Fehlen an ihm der zur Verwirklichung dieser Rechte notwendigen physischen und geistigen Kräfte bedingt sein.  (…)   Die Bedürfnisse der Kinder stehen dabei klar im Vordergrund und werden unabhängig von ihrem Alter anerkannt. Auch Ellen  Key hatte bereits einige Jahre zuvor (um 1900) gefordert, Kindern volle Bürgerrechte zuzuerkennen. Die Ansicht, Kindern  Rechte in vollem Umfang zu gewähren und sie als gleichwertige Bürger anzuerkennen, anstatt ihnen einige wenige Rechte  einzuräumen und ansonsten vor allem den Schutz und die Förderung der Kinder in den Vordergrund zu stellen, ist  heutzutage immer noch genauso exotisch wie damals und die Umsetzung der Kinderrechte in der Institution Schule steckt  noch in den Anfängen. Die meisten Schüler verbringen ihren Schulalltag fremdbestimmt und haben ein geringfügiges Mitspracherecht bei wichtigen  Angelegenheiten. Die TING-Schule ist ein Ort, an dem man unabhängig von seinem Alter ein vollwertiges und kompetentes Mitglied der  Gemeinschaft mit allen Rechten ist. Das Schulkonzept stellt das Recht des Kindes auf Selbstbestimmung und echte  Partizipation in den Vordergrund. Basisdemokratische Entscheidungsfindung in der wöchentlich stattfindenden  Schulversammlung ist nur ein Element von vielen, das die Gleichberechtigung von Kindern und Erwachsenen ermöglicht.  Für Schüler an der TING-Schule heißt dies, dass die Erwachsenen, mit denen sie täglichen Umgang haben, davon überzeugt  sein müssen, dass Kinder in der Lage sind, kompetente Entscheidungen zu treffen. Nur durch die Aufgabe der eigenen  Machtposition und die Anerkennung der Fähigkeiten der Kinder kann ein gleichberechtigtes Miteinander entstehen. 1   http://www.unicef.de/presse/2012/aktionsbuendnis-kinderrechte-zu-debatte-im-bundestag/ 2   http://www.unicef.de/presse/2013/aktionsbuendnis-kinderrechte/ 3   Liebel, Manfred: Wozu Kinderrechte? Juventa Verlag, Weinheim 2007. S. 20ff.  
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